Wie durch dreistes Marketing junge Nichtraucher angeworben werden

Nach meiner Recherche bin ich auf der einen Seite total entsetzt, auf der anderen Seite tief beeindruckt von der unfassbar frechen Marketing-Strategie der E-Zigaretten Industrie. Der Hersteller Juul Labs befindet sich auf einer wichtigen Mission, so steht es auf der deutschen Webseite: Unsere Mission ist es, die Milliarde erwachsener Raucher weltweit von herkömmlichen Zigaretten abzubringen, deren Konsum zu beenden und den Gebrauch unserer Produkte durch Minderjährige zu bekämpfen.

Juul Labs hat eine schicke schwarze, schlanke, modern und cool aussehende, dreiteilige E-Zigarette designt. Den kleinen USB-Ladestecker könnte man leicht mit dem USB-Empfänger einer kabellosen PC-Maus verwechseln. Die JUULpods (ja, man darf sich an dieser Stelle ruhig wundern, warum die Mundstücke, also die Hüllen mit den E-Liquids auf Nikotinsalzbasis, Pods heißen – zumindest assoziiere ich mit dem Wort „Pod“ automatisch Apple-Produkte oder Begriffe aus der modernen, digitalen Welt) werden in unterschiedlichen Aromen angeboten. Von roten Beeren über Mango, Apfel und Pfefferminze ist für den (jugendlichen) Geschmack alles dabei. Wenn das mal nicht die Zielgruppe der armen, alten Raucher anspricht, die seit Jahrzehnten darauf wartet, endlich von ihrer Zigaretten-Sucht befreit zu werden! Ist die E-Zigarette wirklich das Methadon der herkömmlichen Zigarette? Neben dem Hersteller Juul Labs mit Sitz in San Francisco existieren einige ähnlich cool aussehende Produkte anderer Hersteller wie MyBlu oder Vype, die zweifelsohne keinen Deut besser sind als Juul Labs.

Die Amerikaner waren uns Europäern eigentlich in der Nikotinsucht-Bekämpfung immer einen Schritt voraus. Als ich in den Neunzigern (damals noch als Raucherin) ein paar Wochen in Kalifornien verbrachte, trafen mich die für uns Europäer zu dieser Zeit noch völlig ungewohnten Rauchverbote an vielen öffentlichen Plätzen und in Lokalen schwer. Bei uns war es erst 2007 soweit. Und nun dominiert Juul Labs in Amerika mit einem geschätzten Marktanteil von über 70 % den E-Zigarettenmarkt. Auch meine Tochter verwendet den Begriff „Juulen“, obwohl sie eigentlich „Dampfen“ meint. Der Markenname Juul stellt also bereits in ihrem Sprachgebrauch ein Deonym dar, ein Synonym für diese Gattung der Vaping-Produkte. So wie man um ein „Tempo“ bittet, wenn man ein Taschentuch verlangt.  Juul Labs wurde in Amerika dafür verantwortlich gemacht, dass innerhalb kürzester Zeit die Anzahl der jugendlichen Vaping-Kunden kometenhaft in die Höhe schoss. Mit poppig-bunten Werbefotos, auf denen ausnahmslos junge, hippe und hübsche Menschen zu sehen waren, Werbung via Snapchat (wie ausgesprochen klug – welcher Erwachsene tummelt sich schon auf dieser Plattform und bekommt das mit?), Instagram und Co. wurde Juul rasend schnell zu einer angesagten, kultigen Jugendmarke. Junge Nichtraucher wurden zu Dampfern. Einstieg statt Umstieg! Besser kann man es aus Marketing-Sicht eigentlich nicht machen.

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